Allgemeine Infos

Die Tierschutzkommission informiert:

Tipps und Überlegungen zum Erwerb von Meerschweinchen

Vor dem Kauf

Bevor sie sich entscheiden, Meerschweinchen anzuschaffen, möchten wir Sie bitten, über folgendes nachzudenken:

  • Haben Sie, oder ein Familienmitglied eine Tierhaarallergie oder Heuschnupfen?

  • Haben Sie Platz für einen ca. 60 cm X 120 cm großen Käfig. Das wäre das empfohlene Mindestmaß für zwei Tiere. Der Platz sollte zugfrei und hell aber gut belüftbar sein und nicht zu laut.

  • Haben Sie einen lieben Menschen, der während eines Urlaubes oder bei Krankheit auch gerne Ihre Tiere versorgen würde?

  • Sind Sie bereit, neben den Anschaffungskosten für die Grundausstattung, Einstreu und Futtermitteln eventuelle Tierarztkosten zu tragen? Dies können je nach Erkrankung, schnell den Kaufpreis eines Tieres um ein vielfaches überschreiten!

Können Sie sich damit arrangieren, dass auch einmal Streu oder Futterreste aus dem Käfig fallen und dass Schmutz durch Staub und auch Haare entsteht? Dann steht einem harmonischen Miteinander mit den Meerschweinchen eigentlich nichts mehr im Wege!

Foto: Ben Werdelmann
Foto: Iris Rezk-Salama

Die Anschaffung

Da es eine Vielzahl von Rassen und Farben bei Meerschweinchen gibt, haben Sie die Möglichkeit aus dieser Vielzahl von Farben und Formen zu entscheiden. Für welche Variante Sie sich auch immer entscheiden, grundsätzlich gilt: ein Langhaartier benötigt mehr Pflege – allerdings vereinfacht man diese, wenn man der Empfehlung des Verbandes folgt, die Haarlänge auf bodenlang (plus max.2cm) zu kürzen. Auf Ausstellungen, die bundesweit durch Mitgliedsverbände des MFD durchgeführt werden, dürfen auch nur solche Tiere gezeigt werden.

Dadurch gestaltet sich die Körperhygiene für Ihre Tiere einfacher. Man sollte wissen, dass Meerschweinchen beim Urinieren zwei Schritte rückwärts gehen.

Und: Meerschweinchen sind Rudeltiere. Erst in Gesellschaft von min. zwei Tieren können sie ihre artgerechten Verhaltensweisen auch ausleben. Sie sollten auf gar keinen Fall alleine leben müssen!

Foto: Ben Werdelmann

MERKE:

Machen Sie sich die Mühe, und suchen Sie seriöse Züchter in Ihrer Nähe auf und beurteilen Sie selbst die Haltungs- und Lebensbedingungen Ihrer neuen Hausgenossen.

Damit leisten Sie einen wertvollen Beitrag zum Schutz der Tiere. Durch Ihr Kaufverhalten haben Sie einen großen Einfluss auf die sonst üblichen Massenvermehrungen von Meerschweinchen unter oft übelsten Haltungs- und Aufzuchtsbedingungen. 

Foto: Iris Rezk-Salama

Ein seriöser Züchter zeigt Ihnen gerne seine Zuchtanlage:

  • Die einzelnen Buchten sollten nicht überfüllt sein.

  • Auch Böckchenhaltung sollte für den Züchter kein Fremdwort sein.

  • Auch Rentnertiere dürfen hier alt werden.

  • Seine Tiere sind in einem gepflegten und sauberen Zustand.

  • Boxen und Käfige sind sauber, ebenso Trinkfaschen und Futternäpfe.

  • Die Tiere werden ausgewogen und artgerecht ernährt und haben ein der Rasse entsprechendes, volles und gepflegtes Haarkleid.

  • Die Tiere sind gut sozialisiert und Streicheleinheiten und Kontakt zu Menschen gewöhnt.

  • Die Tiere werden frühestens mit vier Wochen und einem Mindestgewicht von mind. 350 g abgegeben, mehr ist oft besser.

  • Quarantäneboxen als Notstation für erkrankte Tiere zeigen, das der Züchter auch diese Tiere behandelt und pflegt.

Foto: Iris Rezk-Salama
Foto: Iris Rezk-Salama

Die Eingewöhnung

Sind die Meerschweinchen einmal ausgesucht und haben den Transport gut überstanden, gönnt man den Tieren erst einmal etwas Ruhe um zusätzlichen Stress zu vermeiden, und Zeit, um sich einzugewöhnen.

Anfangs sind die Tiere eher scheu und zurückhaltend, doch mit viel Zuwendung und Geduld werden sie im Laufe der Zeit zutraulicher.

Nehmen Sie die Tiere täglich kurz auf die Hand, sprechen sie mit ihnen und verwöhnen Sie sie mit Futter, so gewöhnen sich die Tiere an Ihre Stimme und Ihren Geruch.

Leiten Sie anfangs auch Ihre Kinder an, nicht jedes Kind kommt gleich mit einem neuen Hausgenossen zurecht. Festhalten, Pflege und Respekt den Tieren gegenüber will auch gelernt sein.

Denken Sie daran: Je jünger die Tiere sind, umso länger brauchen Sie für die Eingewöhnung.

Foto: Iris Rezk-Salama

Kinder und Meerschweinchen

Generell kann man sagen, das dass Meerschweinchen ein sehr geeignetes Haustier ist, gerade auch für Kinder. 

Durch ihr sanftes und liebevolles Wesen eignen sie sich bei richtiger Aufzucht und entsprechendem respektvollen und verantwortungsbewussten Umgang sehr als Streichel- und Schmusetier.

Aber immer tragen die Erwachsenen Verantwortung dafür, dass die Tiere artgerecht ernährt und gepflegt werden. Ebenso muss der Umgang mit den Tieren, also Herausnehmen, Tragen, und Streicheln geübt und gelernt werden, sodass die Tiere auch daran Freude haben.

Je kleiner die Kinder, umso mehr Verantwortung obliegt den Erwachsenen.

Ebenso sollten Kinder den Respekt gegenüber den Tieren üben, indem sie auch lernen, Ruhephasen und die ungestörte Nahrungsaufnahme der Tiere zulassen.

Ein Erschrecken der Tiere durch lautes Geschrei oder Schlagen auf den Käfig sind für Meerschweinchen der reine Stress und als Fluchttiere geraten sie in Panik. Zum Wohle der Tiere sollte solches Verhalten der Kinder unterbunden werden.

Foto: Evi Reindl

Andere Haustiere und Meerschweinchen

Leben in Ihrem Haushalt schon andere Tiere, z.B. Hunde und Katzen, sollten Sie bedenken, das dass Meerschweinchen durch seine Größe und sein Verhalten, den natürlichen Beute- und Jagdinstinkt dieser Tiere auslösen kann.

Sind Ihre Tiere nicht an Meerschweinchen gewöhnt, dann sollten Sie auf keinen Fall Hunde und/oder Katzen mit Meerschweinchen unbeaufsichtigt lassen.

Zur Sicherheit einen abgesicherten Käfig mit Gitterdeckel verwenden und die Tiere nicht in einem Raum alleine lassen.

Katzen haben in der Regel an ausgewachsenen Meerschweinchen weniger Interesse und lassen diese dann meiste in Ruhe, und Hunde könne durch eine konsequente Erziehung lernen, das man diese neuen Mitbewohner unbehelligt lässt. 

Foto: Iris Rezk-Salama

Mit Vögeln und Kaninchen gemeinsam in einer Voliere oder einem Großraumkäfig kann man Meerschweinchen schon eher halten, wobei man aber hier bedenken sollte, das Vögel wie auch Kaninchen Kokzidienträger sein können, welche beim Meerschweinchen blutig-schleimige fiebrige Durchfälle hervorrufen können. Ohne Behandlung durch Medikamente führt diese Erkrankung zum Tod der Tiere.

Ebenso gibt es Kaninchenböcke, die bei jeder Brunst eines Meerschweinchens dieses besteigen und oft heftigst bedrängen, für das betroffene Tier ein sehr unangenehmer und stressbelasteter Zustand. 

Man kann eine Vergesellschaftung von Kaninchen und Meerschweinchen nur dann anraten, wenn beide Tierarten in Gesellschaft Ihresgleichen gehalten werden, dass Gehege sehr groß ist, ab 10², und die unterschiedlichen Bedürfnisse an die Haltung für jede Tierart berücksichtigt werden können.

Foto: Iris Rezk-Salama

Vergesellschaftungen

Soll der Neuankömmling mit Meerschweinchen vergesellschaftet werden, die bereits in Ihrem Besitz sind, so gibt es hier ein paar hilfreiche Tipps, wie Sie anfängliche Konflikte unter den Tieren vermeiden oder minimieren können:

Meerschweinchen orientieren sich hauptsächlich mit ihrem Geruchsinn. Außerdem haben sie ein ausgeprägtes Revierverhalten. Wird ein neues Tier in eine geschlossene Gruppe integriert, muss eine neue Rangordnung festgelegt werden. Dies wird mehr oder weniger intensiv ausgetragen, da es von der Dominanz der einzelnen Tiere abhängt. Sie können die anfänglichen Spannungen etwas minimieren, in dem Sie den Geruch der Tiere und ihrer Behausung neutralisieren.

Foto: Petra Gemeinhardt
  • Käfig und Einrichtungsgegenstände vor der Zusammenführung der Tiere gründlich reinigen

  • Alle Tiere mit einem Babytuch (nicht ölhaltige Feuchttücher, erhältlich in jedem Drogeriemarkt) abreiben

  • Zusätzlich Frischfutter zur Ablenkung bei der Zusammenführung der Tiere anbieten

Die Behausung riecht nun für alle Tiere neu und durch die Feuchttücher die Meerscheinchen alle gleich. Das Frischfutter lenkt die Tiere nicht nur ab, sie entspannen sich auch beim gemeinsamen Fressen und können sich so in einer friedlicheren Atmosphäre kennen lernen.

Foto: Stephanie Keller

Pflege

Damit sich Ihre Meerschweinchen bei Ihnen auch so richtig wohl fühlen können, sollten Sie über die Grundbedürfnisse dieses kleinen Nagers Bescheid wissen.

Reinigung Stall

  • Der Meerschweinchenstall sollte in der Regel jede Woche einmal gereinigt werden (abhängig von der Käfiggröße und der Anzahl der gehaltenen Tiere.) Grundsätzlich sollte gemistet werden, bevor unangenehme Gerüche entstehen.

  • Nahrungsreste von Frischfutter sollten täglich entfernt werden, damit sich keine fauligen Gerüche oder Pilze einnisten können.

  • Futterschüsseln und Trinkflaschen min. einmal wöchentlich gründlich mit heißem Wasser und einer Flaschenbürste reinigen, bei starken Verschmutzungen natürlich auch öfters.

Foto: Evi Reindl

Fellpflege

Die richtige Fellpflege ist natürlich ebenso wichtig. Die Materialien hängen hier von der Felllänge und Struktur ab.

Kurzhaartiere genießen durchaus auch mal eine Massage mit einem Noppenhandschuh. 

Falls Sie sich für ein Langhaarmeerschweinchen entschieden haben, so sollten Sie das Tier täglich sorgfältig kämmen, damit das weiche Haar nicht verknotet oder gar verfilzt. 
Bei langhaarigen Lockentieren täglich Verschmutzungen vorsichtig aus den Haaren entfernen und Verfilzungen möglichst gleich mit den Fingern vorsichtig auseinanderziehen. Diese Tiere nicht kämmen oder bürsten, die Locken werden sonst zerkämmt und das Haar wird strohig.Zu lang gewordene Haare können Sie vorsichtig mit einer Schere kürzen.

Den Afterbereich bei Langhaartieren min. 1 mal wöchentlich mit lauwarmem Wasser und einem milden Hundshampoo abwaschen und gut abtrocknen, gegebenenfalls vorsichtig trocken föhnen, und die Haare dort kurz halten. (Besonders in der warmen Jahreszeit ist ein Fliegen- und Madenbefall nicht auszuschließen!)

Foto: Iris Rezk-Salama

Krallenpflege

Einmal im Monat sollten die Krallenspitzen der Meerschweinchen kontrolliert und gegebenenfalls gestutzt werden. Hierfür eignen sich die im Handel erhältlichen Krallenscheren besonders.
Nur so können die Krallen kurz gehalten werden, da der durchblutete Ansatz mit der Kralle mitwächst.

Foto: Iris Rezk-Salama

Zahnpflege

Die Zahnpflege regelt sich bei einem gesunden Tier ohne Zahnfehlstellungen eigentlich von selbst, wenn dem Tier immer genügend Heu zur Verfügung steht. Äste von Haselbüschen, Brombeeren oder Himbeersträuchern werden ebenfalls gerne gefressen.
Brot oder andere Bäckereierzeugnisse sollten gar nicht verfüttert werden.

Foto: Iris Rezk-Salam

Beschäftigung

Gönnen Sie Ihren Tieren gelegentlich etwas Abwechslung: Variieren Sie die Einrichtung und Gegenstände des Käfigs von Zeit zu Zeit, dann kommt bei den Tieren keine Langeweile auf. Meerschweinchen sind in Ihrem Rahmen durchaus neugierig und untersuchen Fremdes auch gerne.

Stellen Sie den Tieren regelmäßig einen größeren Auslauf zur Verfügung. Entweder im Garten, Balkon oder Terrasse oder im Zimmer. Achten Sie aber immer auch hier auf die nötige Absicherung.
Auch Beschäftigungsfutter wie ein ganzer Apfel oder Paprika, ein paar Zweige vom Haselbusch, Brombeer- oder Johannisbeerstrauch sind hier oft hilfreich.